Oberliga Runde 9 – Per Pleite aufs Treppchen

Gestern beendete unsere Oberligamannschaft die Saison in Marmstorf.

Die Vorzeichen eindeutig: Marmstorf bereits abgestiegen, für uns ging es nur noch um Platz 3-5, wobei ein Sieg sicher das beste Vereinsergebnis in diesem Jahrtausend bedeutet hätte.

Gut für uns: Markus und Leon waren wieder dabei. Ärgerlich: Roman und Christian L. konnten nicht. Dominik und Christian K. sprangen ein.

Nachdem wir bei der Anfahrt einen kleinen Fehler begingen, versuchte ich Bescheid zu geben, dass wir erst etwa 10:50 Uhr da sein würden und die Aufstellung so früher abzugeben. Da ich niemanden erreichte, ließen wir es drauf ankommen, immerhin war für beide Mannschaften der Saisonausgang ziemlich klar. Als wir ankamen stellten wir dann fest, dass der Schiri nicht da war. Leicht verwirrt starteten wir den Kampf mit kurzer Verspätung ohne Schiri (der, wie sich später herausstellte gut nachvollziehbar verhindert war). An dieser Stelle Dank an die Marmstorfer, mit denen wir auch so völlig problemfrei einen freundschaftlichen Mannschaftskampf hatten (und nach dem Kampf schnell die Partien eingaben und weiterreichten).

Nach der Eröffnungsphase war ich eigentlich recht optimistisch. Wir standen nirgendwo furchtbar, Markus leicht angenehm, Fabian leicht unangenehm, ich völlig auf Gewinn, Christian mit Bauern mehr, Leon leicht unangenehm und sonst irgendwie ausgeglichen.

Nach etwa 3 Stunden endete Markus Partie zuerst remis. Schade, nur einen Zug vorm Remis zeigt mir die Engine mehr als +1 an. Am starken Saisonergebnis ohne Niederlage am Spitzenbrett ändert das allerdings nichts. Fabian geriet mehr und mehr unter Druck, in guter Stellung entschied sich sein Gegner eine Figur zu opfern, was objektiv den Vorteil in Ausgleich verwandelt. Nachdem er dann nicht die beste Fortsetzung fand, stand Fabian auf Gewinn. Etwa zeitgleich musste Dominik sich geschlagen geben. Er übersah einen Springerausfall, der gar nicht so schlimm gewesen wäre, aber eine genaue Antwort verlangte. Die fand Dominik leider nicht, wonach die Stellung ziemlich schnell zusammenbrach.

Unterdessen gelang es Christian nicht, seinen Vorteil (auch hier gibt meine Engine bequeme +1) zu konsolidieren. Letztendlich remis im Turmendspiel. Leon neutralisierte die leichten Vorteile seines Gegners, ebenfalls remis. Axels Partie verließ nie die Remisbreite, ein gerechtes Remis. Stefan hatte eine dieser Stellungen, in denen er als Weißer versucht am Königsflügel des Gegners König anzugreifen, während dieser sein Glück am Damenflügel versucht. Hier kippte die Partie mehrfach ein wenig, erst leichter Vorteil für den Gegner, dann hatte Stefan die Möglichkeit, überraschend nicht am Königsflügel, sondern am Damenflügel in Vorteil zu kommen (die Engine gibt mehr als +1), versuchte sich aber weiter am Königsflügel, kam nicht durch und entschied sich im kritischen Moment für einen Damenrückzug, statt mutig nach vorne zu ziehen. Das wäre zwar ebenfalls leichter Nachteil gewesen, so aber war die Partie recht bald hoffnungslos. Schade!

Spielten noch Fabian und ich. Bei Fabian war klar, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis sich die Mehrfigur gegen die beiden Bauern durchsetzen würde, was sie letztendlich nach 4,5- 5 Stunden auch tat. Blieb noch ich, der eine kuriose Partie spielte. Nach dem 12. Zug stand ich völlig auf Gewinn. Die Anzahl der vergebenen Elfmeter (wie mein Marmstorfer Gegner in seinem Bericht treffend beschreibt), ist hoch. Um ehrlich zu sein kann ich mich nicht daran erinnern, schon einmal in einer Partie so viele einfache Gewinne ausgelassen zu haben. Was das ganze noch trauriger macht ist die Tatsache, dass ich mehr als die Hälfte davon sogar gesehen habe, mich aber aufgrund nicht vorhandener Gespenster dagegen entschied. Das war einfach nicht gut. Am Ende dann remis und damit eine insgesamt doch recht unglückliche 3,5:4,5 Niederlage.

In der Abschlusstabelle bedeutet das für uns dennoch den dritten Platz, da sowohl die Schachfreunde Hamburg als auch der HSK jeweils einen Mannschaftspunkt weniger holten, als sie gebraucht hätten um an uns vorbei zu ziehen. So ist unsere Saison zwar nicht die beste in diesem Jahrtausend, aber doch die beste seit immerhin mehr als 10 Jahren. Vor der Saison hätten wir 11-7 Mannschaftspunkte sofort unterschrieben, kein Wunder bei nur einem Kampf, in dem wir nicht Außenseiter waren.

Zustande gekommen ist dieses Ergebnis durch gut verteilte Brettpunkte und viele Einzelergebnisse über Erwartung. Jeweils -1 holten Axel, Roman und ich. Jeweils gegen einen höheren Eloschnitt ist das innerhalb der Erwartungen oder sogar leicht drüber. Im Besonderen hervorzuheben sind hier aber neben Christian K, Christian L und Markus, die keine Partie verloren, vor allem Leon und Fabian. Leon holte in seiner ersten Oberligasaison bärenstarke 5/7 gegen einen Eloschnitt deutlich über 2100 und liefert so jede Menge Argumente für die kommende Saison. Noch beeindruckender spielte nur Fabian, der am zweiten Brett gegen einen Eloschnitt von über 2300 bei immerhin 7 Titelträgern ungeschlagen 6,5/9 vorweisen kann.

Bei mir ist wie auch in den letzten Jahren klar zu erkennen, dass ich gegen Saisonende wenig hinbekommen habe. Das wird sicherlich zu einem nicht allzu geringen Teil bei mir liegen. Auffällig ist aber dennoch, dass diese Tatsache vermehrt auftritt, seitdem ich als Mannschaftsführer tätig bin und mich im Hamburger Schachjugendbund engagiere. So muss ich doch zugeben, dass es mein Schach ein Stück weit belastet. In dieser Saison brauchten wir 14 Ersatzspielereinsätze. Dafür habe ich mir weit mehr als 50 Absagen eingefangen. Viel krasser als das ist jedoch der schachliche Terminkalender. Mit diesem Kampf endet eine Zeit, in der ich seit Jahresanfang mit einer Wochenendausnahme und einem Weisheitszahnbedingtem Ausfall an jedem einzelnen Wochenende mindestens eine Schachveranstaltung hatte. Sei es Oberliga, Blitzmannschaft in Hamburg oder Berlin, HJET, Endrunde, Auschusssitzung oder sonst irgendetwas Anderes. Gegen Ende dieser Zeit hat man (bzw. zumindest ich) irgendwann auch nicht mehr so richtig Lust. Erst recht, wenn man weiß, dass nun ein monatelanges Schachloch folgt. Für mich persönlich ist klar, dass es kommendes Jahr nicht genauso aussehen darf wie in diesem Jahr, was auch immer das fürs nächste Jahr bedeuten wird.

Andere Mannschaften haben natürlich auch gespielt. Kiel gewann auch seinen abschließenden Kampf gegen den SKJE und steigt, letztendlich verdient, trotz eines 0:8 am grünen Tisch gegen Schwerin in die zweite Liga auf. Unten hingegen wollte keiner absteigen. Vor der letzten Runde hatten Preetz, Königsspringer und St. Pauli alle 6 Mannschaftspunkte. St. Pauli startete mit der besten Ausgangssituation und holte gegen den HSK ein 4:4. Das sollte doch reichen? Nein, tat es nicht, denn Preetz gewann mit 4 dänischen Titelträgern (alle anderen Kämpfe höchstens 2) gegen Schwerin, während Königsspringer die Schachfreunde schlug, sodass letztendlich mit Marmstorf, SKJE und St. Pauli gleich 3 Hamburger Mannschaften absteigen.

Oberliga Runde 8 – Ein gebrauchter Tag

Heute empfingen wir Tabellenführer Kiel im Fahrenkamp zur achten Runde der Oberliga.

Wir waren, stark ersatzgeschwächt (erst Freitagabend stand fest, dass wir überhaupt mit 8 Leuten antreten können), krasser Außenseiter. Vielen Dank an unsere Ersatzspieler Christian, Robert und Johann, dass wir keine Kampflosen beklagen mussten.

Letztendlich verloren wir an allen Brettern, an denen wir 150 Elo weniger hatten und spielten an den übrigen Brettern remis. Macht insgesamt eine ziemlich ereignisarme und chancenlose 2:6 Niederlage. Man muss einfach anerkennen, dass Kiel heute nicht nur nominell besser war, sondern ganz eindeutig auch mehr Wille hatte.

Für uns endet die Saison in zwei Wochen bei Marmstorf. Dabei geht es für uns “nur” um Platz 3-5, was alles für uns ein gutes Ergebnis wäre, wir aber natürlich Platz 3 erreichen wollen. Für Marmstorf geht es nur noch um Ergebniskosmetik, sie müssen den Gang in die Landesliga antreten.

HJEM 2019

Letzte Woche, vom 9.-17.03 fanden die diesjährigen Hamburger Jugendeinzelmeisterschaften in Schönhagen statt.

Wir waren dieses Mal mit einer etwas kleineren Fraktion (nur 6 Teilnehmer: Feiya, Vicky, Damian, Albert, Bohong, Johann) dabei. Das war vor allem deshalb schade, weil wir leicht auch 10 Teilnehmer hätten stellen können, die aus unterschiedlichen Gründen nicht mitfuhren.

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Oberliga Runde 7 – War das jetzt gut oder nicht?

Gestern spielten wir auswärts in Preetz die siebte Runde der Oberliga.

Die gute Nachricht: Stefan war wieder dabei. Die schlechte: Es gab trotzdem wie eigentlich immer in dieser Saison ein halbes Dutzend Absagen aus dem spielberechtigten Kader. So kamen Thomas und Christian K. zu ihrem jeweils zweiten Einsatz, wodurch die zweite Mannschaft schon zum dritten Mal in der Saison nicht vollständig antreten konnte. Ich hoffe inständig, dass die letzten beiden Runden zu keinen weiteren Kampflosen führen.

Nun aber zum Kampf. Auf dem Papier spielten wir als überraschender Tabellenführer gegen eine Mannschaft, die noch gegen den Abstieg spielt, und doch an jedem Brett eine höhere Elo aufweisen konnte als wir.

Markus hatte sich gerade nach der Ankunft sportlich aufgewärmt und war hochmotiviert, als wir kurz nach Wettkampfbeginn feststellten, dass er gar nicht spielen brauchte. 1:0 nach 30 Minuten Karenzzeit.

Der nächste, der fertig wurde, war Thomas. Anfangs dachte ich, dass er in der Eröffnung mit Schwarz leicht hätte ausgleichen können. Das war dann aber wohl doch nicht ganz so einfach. In der Folge verpasste er eine Möglichkeit in eine dynamisch spannende Stellung zu kommen, bevor ihm ein Versehen unterlief und ein Doppelangriff eine Figur kostete, 1:1.

Dann lief es eigentlich erstmal recht gut für uns. Während Fabian seine passive Stellung zusammenhielt, der Vorteil schrumpfte und er ein Remis bekam, konnten Leon und Christian die gegnerischen Stellungen im Sturm erobern und uns mit 3,5:1,5 in Führung bringen. Ein Blick auf die restlichen Stellungen verhieß dann aber nichts Gutes. So war ich zwar anständig aus der Eröffnung gekommen, spielte dann aber suboptimal weiter, fasste einen eigentlich sinnvollen Plan, dessen Umsetzung mir dann leider völlig misslang. Mein Gegner brauchte nur zugreifen, tat das, und ich hatte eine sofortige Ruine. Gruselig. Stefan hatte ein Turmopfer angeboten, das sein Gegner ignorierte und sich stattdessen auf die Jagd nach Stefans in der Mitte gebliebenen Königs konzentrierte, letztlich mit einer durchaus hübschen Reihe an Fesselungen erfolgreich. So war es an Roman, beim Stand von 3,5:3,5 seine durchgängig eher etwas schlechtere Stellung zu verteidigen. Das gelang ihm souverän, Endstand also 4:4.

Für uns bedeutet das zweite 4:4 in Folge vermutlich das Ende möglicher Aufstiegsträume, da Kiel und Schwerin an uns vorbei gezogen sind. So empfangen wir in der kommenden Runde am 24.03. zwar Kiel und haben zumindest das in der eigenen Hand, und doch ist es eher unwahrscheinlich, dass uns da erneut eine Überraschung gelingt und darüber hinaus auch der haushohe Favorit aus Schwerin noch etwas abgibt. Übermäßig traurig sein müssen wir aber trotzdem nicht. Hätte uns jemand vor der Saison gesagt, dass wir nach 7 Runden, immer als nomineller Außenseiter angetreten, als einzige ungeschlagene Mannschaft mit 11:3 Mannschaftspunkten so weit oben in der Tabelle stehen würden, hätten wir denjenigen vermutlich für verrückt erklärt.

HBMM

Letzten Sonntag wurden die Hamburger Blitzmannschaftsmeisterschaften ausgetragen. Insgesamt spielten 18 Mannschaften aus leider nur 11 Vereinen um den Titel des Hamburger Meisters, dadurch gab es entsprechend der Ausschreibung ein Rundenturnier mit 17 Runden.

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DSAM – Erfolge für Diogenesen

Bei der DSAM-Vorrunde vergangenes Wochenende in Bergedorf können wir uns über Erfolge freuen. Bei dem Turnier, das aus vorrangig terminlich ungünstigen Gründen insgesamt deutlich weniger Teilnehmer als sonst hatte (Überschneidung mit HMM und HJET) konnten sich alle drei teilnehmenden jugendlichen Diogenesen über ihre Erfolge freuen.

Leon (4/5, C-Gruppe), Johann (4/5, D-Gruppe) und Albert (4,5/5, F-Gruppe) qualifizierten sich jeweils für das Finale in Magdeburg, herzlichen Glückwunsch! Ergebnisse und Informationen gibt es unter https://www.dsam-cup.de/.

Oberliga Runde 5 – Das Märchen geht weiter

Gestern empfingen wir im Fahrenkamp den Tabellenführer und klaren Aufstiegsfavoriten aus Schwerin zur 5. Runde.

Wir waren sensationell in die Saison gestartet und freuten uns darauf es als Tabellenzweiter zum Highlight des ersten Kampf des Jahres dem schier übermächtigen Gast aus Schwerin so schwierig wie möglich zu machen. Auf dem Papier sollte es eine glasklare Sache werden. Wir mit Ersatzspielern gespickt (vielen Dank an die zweite Mannschaft, die aufgrund erneut vieler Absagen in den beiden Mannschaften nur zu siebt spielte, weil sie uns mit Christian K. und Oguz aushielf) gegen die mit diversen Titelträgern (3GM, 1 IM, 2 FM und damit einen Schnitt von mehr als 2350 ELO) ausgestatteten SF Schwerin. Insgesamt trennten uns 1788 ELO-Punkte, im Schnitt also genau 223,5 Punkte Unterschied pro Brett. Klingt nach einem einfachen Tag im Büro, doch es sollte anders kommen.

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Oberliga Runde 4 – Einmal kneifen bitte

Gestern fand die 4. Runde der Oberligasaison statt.

Wir durften bei St. Pauli antreten, doch schon vor Kampfbeginn war nicht alles einfach. So stand auf Messers Schneide, ob wir denn vollständig antreten. Ich war zwar die letzten beiden Wochen ordentlich erkältet, konnte aber dennoch recht sicher spielen. Bei Leon sah das schon anders aus. So kam erst am Tag vor dem Kampf die Entscheidung, dass er tatsächlich spielen kann und beim Unterhalten war ihm auch anzumerken, dass er unmöglich bei 100% sein konnte. Außerdem half Thomas bei uns aus, sodass wir tatsächlich vollständig antraten. So viel Glück hatte die zweite Mannschaft nicht, die dann auch recht eindeutig verlor. Zwar kann man schon sagen, dass der Termin der Ober- und Landesliga so kurz vor Weihnachten vielleicht nicht ideal ist, und doch ist es schon ein bisschen traurig und in der Tat auch ein bisschen peinlich, wenn es trotz zum Teil mehrfachen Fragens des gesamten spielberechtigten Kaders (also 1-18 in der Oberliga und 1-18 in der Landesliga) bei zweistelligen Absagenzahlen nicht gelingt mit beiden Mannschaften vollständig anzutreten. Mehr dazu gehört nicht auf diese Homepage, wird aber sicherlich im Verein noch einmal Thema werden.

Zurück zum Oberligakampf. Wir waren schon sensationell in die Saison gestartet, gegen St. Pauli sollte es den Zahlen nach ein Kampf auf Augenhöhe werden. Zwar mit leichten Vorteilen für St. Pauli, die lagen aber im Wesentlichen am achten Brett, wo Leon als Jugendlicher in den vergangenen beiden Runden bereits gezeigt hatte, dass die manchmal nur teilweise aussagekräftig sind.

Wie es bei Auswärtskämpfen bei St. Pauli immer ist, hatte ich im Vorfeld ein bisschen um die Spielbedingungen gebangt. Gespielt wird im Stadion, in einem Raum, der am Vortag rund um ein Heimspiel auch als Bar genutzt wird und dann gerne auch mal dementsprechend riecht. So auch dieses Mal, auch wenn wir das bei Ankunft durch rigoroses Lüften signifikant verbessern konnten. Außerdem hatte beim letzten Kampf bei St. Pauli beinahe jede Bewegung auf dem Boden für Quietschgeräusche wie in einer Turnhalle gesorgt, dieses Mal allerdings war das absolute Ausnahme. Man konnte also optimistisch sein. Pünktlich zum Startschuss fing dann natürlich der Getränkekühler an regelmäßig sein Werk zu verrichten, brumm. Das leicht penetrante Piepen aus einem weiter entfernten  Raum konnte mittels Schließen sämtlicher Türen dazwischen eingedämmt werden, und so konnte letztendlich doch unter ordentlichen Bedingungen gespielt werden, sofern es gelang das regelmäßige Brummen zu ignorieren.

Was dann folgte war ein lange Zeit offener Kampf mit unklarem Ausgang. Leons Gegner muss sich signifikant verrechnet haben, auf einmal hatte Leon zeitweise einen ganzen Turm mehr. Zwar kam eine Figur nicht mehr aus des Gegners Stellung, über blieb aber ausreichend Mehrmaterial, um uns schnell in Führung zu bringen. Angesichts seiner Gesundheit war das der ideale Start für uns und Leon zeigt mit nun 2,5/3 in den letzten Runden gegen einen Schnitt von ca. 2150 ELO, was in ihm stecken kann. Wenig später endete Christians Partie nach einer leicht seltsamen Eröffnung mit beidseitig solidem Aufbau remis. Ansonsten stand Markus ansprechend, Stefan angenehmer, während Fabian und Roman leiden mussten und bei Thomas noch nicht viel los war. Ich war im zweiten Zug aus meiner Vorbereitung raus, stellte mich dann solide hin während ich unter dauerhaftem Hustenbonboneinsatz versuchte meinen Gegner nicht durchgehend anzuhusten, bekam die Gelegenheit bei entschiedenem Vorgehen zu schönem Vorteil zu kommen, griff alibimäßig fehl und lief in einen Doppelangriff auf zwei Bauern und hatte fortan einen Bauern weniger. Das wäre noch gar nicht so schlimm gewesen, da ich zumindest so etwas wie ein bisschen Kompensation gehabt hätte. Da ich dann schlecht weiterspielte stand ich durchaus auf Verlust, bis mein Gegner schnell bzw. schön gewinnen wollte. Das hat dann nicht funktioniert und ich bin glücklich mit einem Remis davon gekommen.

In der weiteren Folge musste sich Roman geschlagen geben, doch Thomas, dessen Stellung ich eigentlich immer als offen bis höchstens leicht besser eingeschätzt hatte, hatte auf einmal zur Zeitkontrolle ein Turmendspiel mit zwei verbundenen Freibauern mehr auf dem Brett. Da muss die Zeitnotphase ihm ein Stück weit zur Hilfe gekommen sein, die erneute Führung. Und so spielten noch Markus, der im Verlauf der Partie gleich zwei Bauern eingesammelt hatte und klar auf Gewinn stand, Fabian, dessen Damenendspiel mit Minusbauern ich als absolut hoffnungslos angesehen hatte und Stefan, der zwar einen Bauern mitnahm, dessen Verwertung als Doppelbauer aber nicht leicht sein dürfte. Zu diesem Zeitpunkt war der Sieg schon recht klar, Markus gewann souverän, da war höchstens die Frage, ob er Möglichkeiten zum schnelleren Sieg ausgelassen hätte, aber das war dann auch egal. Fabian bekam auf mysteriöse Weise doch noch ein Remis, wie auch immer er die zwischenzeitliche Ruine überlebt hat. Hinterher meinte er auch, dass er eigentlich keine Hoffnung mehr hatte und nur Züge gemacht hat, die nicht sofort verlieren. Mit dem Sieg im Gepäck machte auch Stefan nahezu zeitgleich remis.

Insgesamt gab es also einen schmeichelhaften 5:3 Sieg, bei dem Fabian und ich auch gut hätten verlieren können bis müssen, während bei Stefan vielleicht auch noch mehr drin gewesen wäre. Wir nehmen diese Punkte gerne mit und müssen uns kneifen, dass wir als eigentlicher Abstiegskandidat mit nun 7:1 Mannschaftspunkten auf dem zweiten Tabellenplatz stehen, punktgleich mit dem Tabellenführer aus Schwerin, der in dieser Saison schon fünf verschiedene und nie weniger als zwei Großmeister eingesetzt hat. Das Ligaorakel hat unsere Abstiegswahrscheinlichkeit auf unter ein Prozent gesenkt, es gibt uns jetzt mit ebenfalls unter einem Prozent sogar eine höhere Aufstiegs- als Abstiegswahrscheinlichkeit. Das könnte sich wieder ändern, wenn wir in der nächsten Runde am 20.01. den haushohen Favoriten aus Schwerin bei uns zum “Spitzenspiel” empfangen. Aber eines ist gewiss, verschenken werden wir unsere Punkte nicht!

Oberliga Runde 3 – Auf Messers Schneide

Am Sonntag empfingen wir im Fahrenkamp zur dritten Runde unsere Nachbarn von den Schachfreunden Hamburg, die genau wie wir gut in die Saison gestartet waren.

Wir konnten zum ersten Mal in dieser Saison auf Stefan zurückgreifen, sodass wir unsere bislang stärkste Aufstellung vorweisen konnten. Stefan übernahm dann auch gleich für diese Runde die Begrüßungsansprache, angesichts des Geschehenen an meinem Brett aus dem Vorjahr keine schlechte Idee, danke dafür. Mein Dank geht außerdem an Christian fürs Aufschließen sowie zusätzlich an Stefan und Fabian für die Hilfe beim Aufbauen. Alle weiteren waren ebenfalls rechtzeitig da, sodass der Kampf pünktlich an allen Brettern starten konnte, das war super!

Der Kampf war lange Zeit absolut unklar. Es gab jede Menge durchaus dynamische, vermutlich ausgeglichene Stellungen.

Als erstes einigten sich Stefan und Markus nach vergleichsweise ergebnisarmen Eröffnungen mit ihren Gegnern auf Remis. Fabian stand minimal besser, ich rechnete aufgrund der ungleichfarbigen Läufer aber trotzdem mit einem Remis, ich kam ordentlich aus der Eröffnung, griff einmal leicht fehl, was mein Gegner nicht ausnutzte und stand fortan ausgeglichen, Axel hatte eigentlich eine schöne Bauernstruktur, hatte aber Probleme sich zu entwickeln und musste sich dann gegen Aktivität wehren, bei Roman entwickelte sich eine zweischneidige Stellung mit entgegengesetzten Rochaden, bei Christian entstand über Zugumstellung eine Art Sveshnikovstruktur und Leon musste sich in leicht unangenehmer Stellung verteidigen. Insgesamt also sah es durchaus knapp mit leichten Nachteilen aus.

Da ich für meine eigene Partie viel Zeit verbrauchte und bei recht blockierter Stellung einen geopferten Bauern mitnahm habe ich nicht so viel von den anderen Partien mitbekommen. Jedenfalls endete Romans Partie remis und auch Christian spielte remis, nachdem er eine Qualität gegen einen Bauern gewann, dann aber wohl nicht so richtig weiter kam. Etwa zeitgleich erwies sich Axels Knoten als nicht schnell genug entwirrbar, auf einmal waren jede Menge gegnerische Figuren auf seinen König gerichtet. Zwischenstand also 2:3.

Bei Fabian hatte der Gegner verpasst günstig die Damen zu tauschen, wonach die Damen zwar getauscht wurden, Fabian aber mit Mehrbauern verblieb. Im weiteren Verlauf sammelte er den ganzen Königsflügel ein und hatte auf einmal 3 Bauern mehr, da half dann auch der gegnerische Freibauer nichts mehr, der Ausgleich. So bleiben also Leon und ich. Bei Leon hatte ich lange das Gefühl, dass es nur zwei mögliche Ergebnisse, eher zugunsten des Gegners, gab, während es bei mir nur zwei mögliche Ergebnisse zu unseren Gunsten gab. So hatte ich mich entschlossen aufgrund meines Zeitverbrauchs zwischenzeitlich ein paar Züge gar nichts zu machen und erst wieder aktiv zu werden, wenn die Zeitkontrolle sicher ist. Irgendwo um die Zeitkontrolle rum bekam Leon einen Läufer gegen 3 Bauern, sodass er T+L+2B gegen T+5B hatte. Nach und nach sammelte er Bauern ein, konnte seine dabei aber nicht behalten, sodass das klassische T+L gegen T entstand. Nun gut, Verlustgefahr gebannt, es wurde also Zeit sich nur noch um meine Stellung zu kümmern. Nach und nach gelang es mir meine Figuren zu verbessern, sodass mein Gegner beschloss unter weiterem Bauernopfer sein Heil in der Offensive zu suchen. Da musste ich zwar dann einen genauen Zug finden, was mir aber tatsächlich gelang und wonach die Stellung klar gewonnen war. Danach hätte ich möglicherweise schneller gewinnen können, aus der Hand gegeben habe ich es aber nicht mehr, sodass ich uns im ersten Viertel der siebten Stunde in Führung brachte. Leon versuche noch sein Endspiel zu gewinnen, stellte diese Versuche aber nach etwas mehr als sechseinhalb Stunden ein und sicherte uns den knappen 4,5 : 3,5 Mannschaftssieg.

Insgesamt war es ein knapper Kampf, zwischenzeitlich ging meine Vermutung eher Richtung knappe Niederlage, ein 4:4 wäre genauso gut möglich gewesen, sodass wir zwar nicht völlig unverdient, aber durchaus leicht glücklich gewonnen haben. Einen Zwischenfall, wie im letzten Jahr, gab es nicht, sodass wir insgesamt einen schönen, langen und spannenden Kampf mit für uns glücklichem Ende erleben konnten.

Nach drei Runden liegen wir nun mit 5:1 Mannschaftspunkten auf dem dritten Platz, punktgleich mit Platz 1 und 2. Als eine Mannschaft, die vor der Saison als klarer Abstiegskandidat angesehen werden konnte, ist das für uns natürlich schon ein wenig sensationell. Die Möglichkeit diese Sensation weiterzuleben gibt es am 16.12., wenn wir bereits um 10 Uhr bei St. Pauli zu Gast sind.