DSAM-Cup in Bergedorf

Letztes Wochenende fand das vierte Qualifikationsturnier der laufenden Saison statt. Aus Vereinssicht war das Turnier eher uninteressant – nachdem sich im Vorjahr noch 3 Diogenesen hier für das Finale qualifiziert hatten, waren diesmal nur 2 Spieler am Start, und einer davon war schon fürs Finale qualifiziert.

Neben mir spielte Ralf in der B-Gruppe, doch für ihn war es vermutlich kein sonderlich prickelndes Turniers. An Ranglistenplatz 11 gesetzt, begann er das Turnier mit einer kurzen Rochade, um dann in Runde 3 in ca. einer Stunde zu gewinnen. Dabei war die Partie in Runde 2 ganz interessant, soweit ich das beurteilen kann, aber irgendwie kam sein Angriff nicht durch. Zumindest ermöglichte die kurze Partie in Runde 3 den Besuch einer Sportsbar für das St.Pauli-Spiel, und einen Sieg am Samstag nachmittag.Besonders “schön” war es aber, dass er am Sonntag morgen kurz vor 9 nach Bergedorf gereist war, um dann zu erfahren, dass sein Gegner kurzfristig abgesagt hat. All das reichte für Platz 29 und einen Verlust von 12 DWZ-Punkten.

Für mich lief das Turnier etwas glücklicher. In Runde 1 konnte ich mit Schwarz einen recht sicheren Sieg einfahren, doch die Partie in Runde 2 lief etwas schräg, worunter auch 2 bekannte Gesichter am Nachbartisch zu leiden hatten (Alexander Fomenkov traf auf Andreas Hilbert). Eigentlich hatte ich die Sache ganz gut im Griff, übersah dann aber ein Springermanöver, wodurch ich in 2 Zügen im Grunde genommen 3 Bauerneinheiten wegstellte:

Hier muss natürlich 33. Db3 Df3+ 34. DxF3 exf3 Kxf3 mit klaren Vorteil kommen, ich dachte dagegen, dass ich den Damentausch mit Bauerngewinn über 33. Lf7 nebst h3 erzwingen könnte, das wird aber widerlegt durch 33. …, Sg6. Mit Lxg6 hätte ich wohl noch in ein etwas besseres Spiel abwickeln können, aber irgendwie übersah ich die Fesselung des g3-Bauern und zog 34. f3? Sh4+ 35. Kf2 Sxf2 36. Da3 Dg5 und musste so mit einem Minusbauern weiterarbeiten. Möglicherweise war meine Konzentration ein wenig durch das Aufschreibeverhalten meines Gegners gestört, der nach meinem Zug erst mal überlegte, dann nach geraumer Zeit seinen vorherigen Zug sowie teilweise einen Teil meines Zugs aufschrieb, um dann erst mal weiter zu denken und dann mal wieder weiter zu schreiben. Zu diesem Partiezeitpunkt fehlten mittlerweile 5 Züge auf seinem Formular. Dazu kam der Effekt, dass er im Laufe der Partie drei oder viermal die Uhr am Nebenbrett drückte, was bei Zeitinkrement natürlich besonders toll ist. Im Anschluß warf ich die Partie eigentlich weg, aber mein Gegner spielte (wohl auch aufgrund der durch ihn verursachten Störfeuer) ebenfalls inkorrekt und übersah zwei Züge in Folge den klaren Sieg. Im 43. Zug wurde es endgültig lächerlich:

Schwarz muss hier am Besten mit Se4+ fortsetzen, ansonsten droht ja De8 matt. Dies wollte mein Gegner mit einem Zug verhindern, den ich so gar nicht auf der Rechnung hatte: 43. h5?????

Mittlerweile hatte mich die Partie dermaßen genervt, dass ich tatsächlich Dh6 matt übersah. Stattdessen zog ich De8+ und ließ den gegnerischen König nach h3 entkommen. In der Folge warf ich nochmals in einem Zug 5 Bauerneinheiten weg, mein Gegner konterte mit 6 Bauerneinheiten, die ich aber nicht annahm. Stattdessen bot ich kurz daruf ein zweizügiges Matt an, was mein Gegner aber ignorierte, und als er noch knapp eine Minute auf der Uhr hatte, bot er mir ein Dauerschach an, auf dass er allerdings falsch reagierte und doch noch verlor. Schach zum Abgewöhnen!

Der Samstag brachte mir 2 Kinder. Am Vormittag musste ich mich in ein Remis retten, am Nachmittag konnte ich halbwegs sicher gewinnen. Damit stand ich vor dem Sonntag auf Platz 3, musste aber auf Sieg spielen, um noch Platz 1 erreichen zu können. Mein Gegner musste erst recht gewinnen, er hatte nämlich nur 3 Punkte. Eigentlich dachte ich, dass ich ganz gut aus der Eröffnung gekommen bin, allerdings sah ich zu spät, dass mein Gegenangriff nicht funktionieren würde, und geriet in eine Stellung, die bei korrekten Spiel vielleicht zu halten war, allerdings meinem Gegner die komplette Initiative überließ, so dass jeder Fehler entscheidend sein konnte. Und so kam es dann auch.

Damit holte ich 3,5/5, Platz 9 und ein Gewinn von 15 DWZ-Punkten – wenn ich im Finale nicht aufpasse, droht in der nächsten Saison sogar die B-Gruppe – zumindest, wenn ich mich in den Mannschaftskämpfen allmählich fange.