Oberliga Runde 6 – 55,5%

…ist die Prozentzahl an Mannschaftspunkten, die Diogenes 1 zum Saisonende hätte, würden alle restlichen Kämpfe verloren gehen. Aber auch sonst hatte unser gestriger Heimkampf gegen den SKJE einiges vorzuweisen, was gewisse Parallelen zu den Zahlen 5, 50 oder 50% bieten kann.

So zum Beispiel die Anzahl der Absagen, die Anzahl der offensichtlich nicht ganz gesunden Spieler im Raum, die Anzahl der Kibitze bzw. nicht selber Spielenden, der nominelle Unterschied zwischen uns und unserem Gegner (wir im Schnitt ziemlich genau 50 ELO-Punkte schwächer), das Kampfergebnis und mit ein bisschen Fantasie auch einige weitere Dinge.

Wir mussten erneut auf Ersatzspieler zurückgreifen, und so kam Michael zu seinem ersten Saisoneinsatz, außerdem spielte erneut Oguz. Ob das gesundheitlich die beste Idee war ist eher unwahrscheinlich, denn es war mehr als offensichtlich, dass Oguz in Sachen Fitness bei eher unter 50% war. Trotzdem vielen Dank fürs Spielen, denn sonst hätte es in einer Mannschaft einen Kampflosen gegeben! Vielleicht wieder ungefähr bei 50% war Leon, der ebenfalls mit einer Erkrankung zu kämpfen hatte. Das ging sogar so weit, dass er am Freitag aus eben diesem Grund versuchte seine HJET-Partie vom Samstag zu verlegen. Das ist eine Geschichte für sich, die wenig mit der Oberliga zu tun hat, an dieser Stelle nur die Kurzform:

Jugendlicher A: “Ich bin krank und kann morgen nicht, können wir verlegen?”

Jugendlicher B: “Gute Besserung, ich kann nächste Woche nicht, weil ist so.”

Jugendlicher A: “Schade, dann muss ich eben doch morgen gucken zu spielen.”

Jugendlicher B: “Nein, du hast für morgen abgesagt, wir spielen nicht.”

Im Endeffekt herrschte ein 5-stündiges und eigentlich ziemlich albernes Theater, in dem am Ende niemand wirklich zufrieden sein kann, man durchaus seine Schlüsse ziehen kann und das sicherlich auch nochmal irgendwo Thema werden wird. Aber nicht an dieser Stelle, zurück zum Kampf.

Die Eröffnungsphase verlief ausgeglichen, wie schon manches mal gab es einen ersten Remisvorstoß an Christians Brett, es wurde aber weiter gespielt. So war es an Michael, das erste Remis beizusteuern. Ich fand die Stellung durchaus in Ordnung, aber Michael fühlte sich mit der Stellung nicht wohl und hatte deutlich mehr Zeit verbraucht. Nicht allzu viel später endeten auch die Partien von Markus und mir. Markus hatte ein Schwerfigurenendspiel, in dem er zwar anfangs einen Bauern weniger hatte, seine Figurenaktivität aber dafür sorgte, dass keiner weiterkam. Ich war von der Eröffnung meines Gegners etwas überrascht, begann ein kleines Eröffnungsexperiment, dass ich so nicht wiederholen werde und stand etwas passiv. Mein Gegner verpasste die Möglichkeit zu langanhaltendem angenehmen Spiel, wonach ich bequem ausgleichen konnte. In der Endstellung stand dann sogar ich etwas besser, die Stellung war aber so geschlossen, dass das wahrscheinlichste Szenario ein Umherschieben für die nächsten Stunden geworden wäre und dann doch die Punkteteilung gefolgt wäre.

Beim Stand von 1,5:1,5 wusste ich dann nicht so genau, wo wir denn eigentlich gewinnen wollen, weil ich nirgendwo Stellungen dafür vermutete. Oguz bekam ein Remisangebot, dass er auch aufgrund seines Zustandes annehmen wollte und wo ich wenig vorher noch dachte, dass die Stellung positionell schlechter sei (möglich, dass ich etwas falsch eingeschätzt habe, sonderlich viel habe ich an diesem Tag nicht gesehen). Roman stand zwar anfangs eher angenehm, viel mehr als Anzugsvorteil, der sich wieder legte, war das aber vermutlich nicht, ebenfalls Remis. Leon hatte zwar zeitweise einen Bauern mehr, dafür aber gleich zwei Doppelbauern. Eine Linie besagter Doppelbauern öffnete sich, die beiden Bauern gingen verloren und er hatte einen weniger. Ein bisschen Hoffnung hatte ich durchaus noch, irgendwie ging das dann aber recht schnell den Bach runter und Leon musste in seiner fünften gespielten Partie in dieser Saison gegen den fünften Gegner über 2100 ELO seine erste Niederlage einstecken.

Blieben also noch Fabian und Christian. Christian stand eigentlich die ganze Zeit eher schlechter, bis seinem Gegner ein Versehen unterlief, das Christian eine Mehrqualität gegen einen Bauern einbrachte. Und Fabians Gegner entschied sich dazu, seine Stellung mit allen möglichen Hebeln selber zu schwächen. So hatte Fabian das Läuferpaar und Bauern auf d4 und e5, der Gegner Bauern auf d5, e6 und f7. Er spielte erst f6, sodass sich die Bauern abtauschten, dann e5, sodass sich zwei weitere Bauern abtauschten und zog dann den nun isolierten Bauern auf d5 nach d4, wo er in der nun deutlich offeneren Stellung gegen die beiden Läufer schwach wurde, irgendwann verloren ging und in einem für Fabian gewonnen Endspiel endete. Das war ein durchaus willkommenes Geschenk, das Fabian nach mehr als 5,5 Stunden zum Ausgleich verwertete. Blieb also noch Christian, dessen Partie beim Stand von nun 3,5:3,5 in die siebte Stunde ging und sich die beiden Kontrahenten mit jeweils weniger als 5 Minuten Bedenkzeit eine Schlacht lieferten, für die man Nerven aus Drahtseilen brauchte. Letztendlich gab es keinen Sieger, nachdem die objektive Stellungsbeurteilung möglicherweise durchaus hin und herkippte (da warte ich lieber die Partien ab, bevor ich mir ein Urteil erlaube), sodass wir uns am Ende mit einem 4:4, vom SKJE trennen.

Insgesamt ist dieses Ergebnis meiner Meinung nach durchaus gerecht. Wir hätten zwar bestimmt zum Kampfende irgendwie knapp gewinnen können, richtig verdient wäre das ob der Partien aber nicht gewesen und wir hätten auch noch knapp verlieren können. So richtig weiterhelfen tut das Endergebnis in der Tat keiner der Mannschaften, auch wenn es für uns sicherlich weit weniger dramatisch als für den SKJE ist.

Wir bleiben mit dem 4:4 zwar an der Tabellenspitze, der ohnehin nicht große Vorsprung vor Kiel und Schwerin, die beide gewinnen konnten, ist aber auf ein Minimum geschmolzen. Der SKJE brauchte dringend einen Sieg, für den Klassenerhalt ist dort jetzt schon gegen die besagten Topteams aus Kiel und Schwerin mehr als eine kleine Sensation nötig. Wir drücken insbesondere aufgrund der Tabellensituation natürlich kräftig die Daumen. Für uns geht es in drei Wochen am 24.02. weiter, wenn wir in Preetz zu Gast sind.