Knapp daneben ist doch vorbei – Ramada Cup in Bad Soden

Am vergangenen Wochenende startete ich den Versuch, mich (in der 15. Saison) zum fünften Mal für das Finale der Deutschen Amateurmeisterschaft  zu qualifizieren. Die Aussichten waren nicht schlecht, schließlich durfte ich dank einer schlechten Leistung im Vorjahr jetzt wieder in der C-Gruppe antreten – d.h. 1701 >= max(ELO, DWZ) >= 1900. Und da in dieser Spielstärke bei den meisten Spielern (wie auch bei mir) die ELO deutlich höher ist als die DWZ, gehörte ich durchaus zu den Mitfavoriten. Und für die Qualifikation reicht ja Platz 6.

Doch diese Rolle lag mir anscheinend gar nicht, denn bereits in Runde 1 fiel die Vorentscheidung für das abschließende Ergebnis. Vielleicht reiche ich die Stellung noch nach, zumindest war die Partie relativ ausgeglichen. Zumindest fühlte ich mich mit Schwarz ganz wohl in meiner Haut, was vielleicht daran lag, dass ich nicht klar schlechter stand, als ich lange rechnete, ob bei dem Manöver, dass mir neue Aktivität bringen sollte, ggf. meine Dame gefangen werden könnte. Nach ca. 5 Minuten hatte ich festgestellt, dass das nicht der Fall war – um zu erkennen, dass Weiß sie gar nicht fangen muss, weil sie nach einen Turmzug mit Schach einfach hing und somit gegen besagten Turm verloren ging.

Da das Turnier nur fünfrundig gespielt wird, ist eine Null in Runde 1 bei 87 Teilnehmern fast schon der k.o. Entsprechend motiviert ging ich in Runde 2, stand wieder meines Erachtens (Fritz war nicht der Meinung) langfristig etwas besser, weil mein Gegner einen Isolani auf d5 hatte, doch dann machte es mir mein Gegner leicht und knallte seinen Springer nach f2. Zum Glück war das Opfer nicht korrekt, so dass wir einige Züge später in einem für mich klar besseren Endspiel landeten. 1 aus 2 und zumindest ein früher Feierabend – das war auch wichtig, denn es ging sofort auf die Autobahn zum HSV-Spiel bei Hoffenheim. Dort zeigte sich, dass das Errichten eines Fußballstadions direkt an der Autobahnausfahrt nur zu einem 10 km Rückstau auf derselben führte.

Samstagmorgen um 9 Uhr (Ankunft im Hotel 1:05) ging es weiter. Im Moment kann ich mich nicht wirklich an die Partie erinnern, aber nach ca. 15 Zügen begann mein Gegner, all sein Material in der Innenverteidigung zu massieren, nur die Dame verirrte sich am Damenflügel, und irgendwann konnte seine unbewegliche Abwehr meinem Angriff am Königsflügel nicht mehr abwehren – immerhin konnte ich einen Sieg einfahren.

In der Nachmittagspartie verliefen die ersten 10 Züge synchron, was häufig zu einem Vorteil des anziehenden endet. Hier war das nicht der Fall, weil ich einen Zug übersah. Doch irgendwann konnte ich doch etwas Aktivität erlangen. Nach dem 29. Zug bot mein Gegner mit T+S+6B gegen T+L+6B remis, doch ich hatte noch eine Angriffsidee. Da mein Gegner diese mit einer suboptimalen Verteidigung unterstützte, konnte ich die Stellung durch einen langen Königsmarsch von f2 nach b6 nach g4 in ein Endspiel mit 2 Mehrbauern umbauen, so dass ich plötzlich mit 3/4 in Reichweite der Spitzengruppe stand. Dennoch reichte das nur für Platz 19, aber punktgleich mit Rang 4. Es wurde also eng.

Da in der Nacht zum Sonntag die Uhren verstellt wurden, konnte ich in Runde 5 tatsächlich frisch und ausgeruht antreten. Ich hatte Schwarz, und mein Gegner spielte meine Standarderöffnung. Also versuchte ich, ungefähr so dagegen zu halten, wie es mir üblicherweise Probleme bereitet. Dummerweise bereitete das meinem Gegner keine Probleme. Eine interessante Abwicklung, die ich bislang noch nicht so gespielt hatte, ließ mich ziemlich unter Druck geraten, und irgendwann musste ich eine Qualität für einen Bauern geben. Ich habe die Stellung noch nicht analysiert, aber vermutlich stand ich tot. Mein König auf h7 war von den Bauern auf h6 und g7 “geschützt”, allerdings tummelten sich zwei Weiße Türme und die Dame auf g und h, und es war nur eine Frage der Zeit, bis der Druck zu groß wird. Doch dann die Überraschung: Mein Gegner knallte seinen Läufer auf h6 rein (er meinte nachher, er wollte den Zug eigentlich erst einen Zug später machen), ohne da aber ein Matt zu finden. Fritz fand ein Matt in 20 Zügen sowie 2 weitere Gewinnvarianten, die Partiefortsetzung setzte das Ganze statt dessen auf -1,8. Plötzlich endete ich in einem Endspiel mit D+T+S+3B gegen D+T+4B. Nachdem ich den Selbstmord in Anlehnung an Partie Nr. 1 gerade noch gefunden hatte, konnte ich die Türme tauschen, und Weiß tauschte die Damen, um die Isolanis auf g5 und e5 zu verbinden, aber auch diese letzte Bauernphalanx konnte mit Hilfe des Springers ausbremsen, so dass mein a-Bauer zu schnell für den gegnerischen König wurde.

D.h. 4/5 und damit irgendwas zwischen Platz 4 und 8. Ein wenig Rechnerei zeigte, dass die Wahrscheinlichkeit groß war, dass es nicht für einen Preis reichen würde, und so verzichtete ich auf die Siegerehrung zugunsten einer 90 Minuten früheren Heimfahrt. Zumal die Preise für Platz 4-6 eh nur Schach-Trainingsmaterial gewesen wären, und das nutz ich ja eh nicht. Es wurde in der Tat Platz 7, letzten Endes fehlten mindestens 1,5 Buchholzpunkte. Unangenehmer Nebeneffekt – ich bin für die nächste Saison wieder auf Kurs Richtung B-Gruppe.