Landesliga-Finale mit Spannung

Es ist mit Sicherheit ein Hamburger Lichtblick im Schach, dass die beiden finalen Runden zentral ausgetragen werden (spielplanmäig diesmal aus nichterfragten Gründen aber die Runden 7 und 9). Man trifft Spieler*innen, Organsatoren und Zuschauer*innen und manchmal kann man sich kaum entscheiden zwischen Konzentration auf die eigene Partie und Beobachtung spnnender Nachbarkämpfe. Großes Dankschön an das Verbandsteam!
Durch den Tausch von Runde 7 und 8 kam es also noch später zum Entscheidungskampf zwischen unserer Ersten und SKJE um den Aufstieg in die Oberliga. Leider musste man sich relativ klar geschlagen geben, obwohl an den Brettern 1-4 unter anderen gegen die GM Dorian Rogozenko und Elisabeth Pähtz ziemlich sensationelle 2,5 Puntke ohne Niederlage gelangen. An 5-8 ist SKJE eben auch noch recht stark besetzt.
Damit war noch eine Restchance für Runde 9 offen, wenn man die Weißen Damen besiegt (gelang mit 4,5) und SKJE nicht gegen die in voller Montur angetretenen Großhansdorfer gewönne. Letzteres wurde nach zwei enttäuschenden Kurzremisen zwischen den Meister*innen an 1 und 2 eine zähe Angelegenheit, die noch in Stunde 5 hoffen ließ aber in Stunde 6 in einer Zuschauertraube zugunsten der Favoriten aus Eppendorf ausging. Herzliche Glückwünsche zu einem deutlich härter als erwartet erkämpften Aufstieg!
Aber genau: ich spielte ja in der Zweiten – und die hatte ganz andere Probleme zu lösen: die sehr kleine Chance auf den Klassenerhalt mit 3 Punkten Rückstand auf den wahrscheinlich sicheren achten und den ganz sicheren 7. Rang zu nutzen, nachdem man mindestens gegen Fischbek und Großhansdorf je 1 bis 2 Punkte liegen lassen hatte.
Erster Schritt: Ralf schreibt: „auch Brettpunkte können wichtig sein“ … Mannschaftspunkte mussten ja sowieso her – also möglichst hoch gewinnen gegen die Tabellenletzten (und dennoch gut besetzten) von HSK 4, was für ein bis dahin siegloses Team etwas verpeilt wirkte.
Aber die Gegner*innen boten bei weitem nicht auf, was die Rangliste hergäbe und Ralfs Worte hatten diesmal Wirkung: mit einem verdient hohen 6:2 wurde die Lücke zum Gegner der letzten Runde auf 2 Mannschaftspunkte und 0 Brettpunkte geschlossen, sodass „schon“ der kanppste Sieg Platz 8 garantierte.
HSK 6 trat an diesem Wochenende vorn etwas stärker besetzt als üblich an und an Brett 8 mit einer Streamerin – Chancen: 50:50!? Bloß kein dummes 4:4! Ich stell mir die Wiederholung in Slowmotion vor – naja wenigstens schien Holgi meiner Prognose, heute würde seine erste Gewinnpartie stattfinden, vor der Kamera nun keinesfalls zuwiderhandeln zu wollen (nicht nur in 7 Runden LL, sondern übergreifend in rund 20 Partien war sein hauptsächliches Ergebnis die Punkteteilung – Horror!)
Ich hatte von Beginn an den Eindruck, dass die Konzentration der ganzen Mannschaft angesichts der plötzlich eröffneten Chance da war! Und prompt kommt der Dämpfer: an Brett 7 nahm Ralf übermütig einen Bauern auf Kosten des Abtausches des schützenden Fianchetto-Läufers … 0:1 nach 2,5 Stunden und dazu Punkteteilung bei Wolfgang.
Während Christian weiter überzeugend den Punkt herausspielte, verhob sich Denis im Angriff mit einem Opfer und bei Robert und Igor bahnten sich kampfbetonte Remis an, Holgi hatte 2 B plus – das musste auch gestreamt reichen. Und ich? … musste dann wohl gewinnen, hatte aber den etwas riskant herausgeholten deutlichen Vorteil zunächst mit einem einfach möglichen Figurenverlust aufs Spiel gesetzt und in Zeitkanppheit zum Remis verspielt – hätte frustriert gern Remis angeboten – ging aber ja nicht – also: eine letzte Minimaldrohung auf ein etwas vorteilhaftes Endspiel … und um das zu vermeiden, flippte mein Gegner nun komplett aus, indem er seinen König unter Schwerfigurenbeschachung schutzsuchend auf mein Grundstück schickte und sich bei der Art meiner Zuneigung verrechnet hatte. Ein sechszügiges Matt übersah ich zwar aber der sichere Weg zum ganzen Punkt ging nun über die mögliche Schönheit. Holgi blieb die Genugtuung, die allerletzten Züge zum Klassenerhalt tun zu dürfen. Am Ende liegen wir also einen Brettpunkt vor HSK 6 und auch einen halben Brettpunkt vor Fischbek, so dass sich Überlegungen zu Oberligaergebnissen erübrigten. Fischbek bekam übrigens von den bis hier punktlosen Tabellenletzten aber in Runde 9 mit stärkster Saisonbesetzung antretenden HSK 4 mit 5,5:2,5 auf die Mütze … hätte uns auch passieren können.

So, hat deutlich mehr Spaß gemacht als ich persönlich befürchtet habe und ist für unser Spieler*innen-potenzial auch wichtig. Da müssen wir wohl der Caissa ein paar Figuren opfern, um den Sott wieder auszugleichen!

Statistik:
Unsere (Dio2) besten Leistungen spielten unsere lieben „Neuen“ Igor und Denis mit je ca. ELO 2190, Christian folgt mit sehr starken ca. 2150 – alle Ergebnisse hier.

Diogenes 2 in der Landesliga: Platz 8, der für uns immer den Klassenerhalt bedeutete und Platz 9 können wir gut – und einmal war Dio 2 Hamburger Meister, retette so den Oberligamoors der Ersten und stieg im Folgejahr ab, weil einige aus der Ersten frustriert Schachpause machten oder den Verein wechselten oder sowas und damit die Zweite auch schwächer wurde.
Alles vor 2004 macht viel Mühe … und ist auch echt schon lange her – es gab da auch Debakel mit 1 und noch weniger MP.

2026: Platz 7, 6 MP + 32,5 BP (ELO ca. 2040)

Die ELO in der LL scheinen im Schnitt, abgesehen von einer Handvoll Meister*innen, schwächer zu sein als früher, obwohl es in der Oberliga und besonders in der für einen normalen Schachclub inzwischen nicht mehr erreichbaren 2. BL eher anders aussieht. Gründe?

2023: Platz 9, 5 MP + 30,5 BP
2019: Platz 9, 3 MP + 26,5 BP
2017: Platz 9, 4 MP + 26,5 BP
2016: Platz 8, 6 MP + 34,5 BP
2015: Platz 8, 8 MP + 36,0 BP
2014: Platz 8, 7 MP + 33,5 BP
2013: Platz 4, 11 MP + 38,0 BP
2009: Platz 9, 5 MP + 32,0 BP
2008: Platz 1, 14 MP + 40,5 BP (ELO ca. 2130)
2007: Platz 4, 10 MP + 35,5 BP
2004: Platz 9, 5 MP + 28,5 BP (ELO ca. 2120)